Ich habe Depressionen

Hallo,
mein Name ist Hannes, 26 Jahre alt, ich bin single und studiere Biologie. Vor kurzem bin ich über einen Blog gestoßen, in dem das Thema „Depressionen Selbsthilfe“ angeschnitten wurde.
Ich wusste schon immer, dass mit mir irgendetwas nicht stimmt. Schon seit meiner Kindheit läuft mit mir einiges schief.
Immer wenn es darum ging, sich mit Freunden zu treffen, fehlte bei mir einfach jede Motivation.

Ich dachte, ich sei anders: nicht normal.

Schließlich war ich so verängstigt, dass ich erst einmal Abstand nahm. Von der Thematik und von Menschen. Meine Familie hat mich letztlich dazu bewegt, einen Psychologen aufzusuchen.

Von da an änderte sich meine Sichtweise komplett: Ich verstand, dass ich tatsächlich unter Depressionen leide, dies aber nichts ist, wofür ich mich schämen müsste.

Jahrelang ging ich Verabredungen mit schönen Frauen aus dem Weg, aus Angst, sie hinterher zu enttäuschen, falls ich einen Rückzieher machen sollte. Ich hatte Angst davor, erklären zu müssen, dass ich nicht normal bin.

Ich wollte mich nicht bloßstellen, wie es in der Schulzeit immer der Fall war.
Hätte ich damals gewusst, dass Depressionen mein Leben nicht so stark einschränken müssen, könnte ich heute vermutlich sagen, dass mein Leben gar nicht so deprimierend war, wie ich es empfinde.
Heute weiß ich, dass ich damit Recht hatte. Nachdem ich mich mit der Krankheit intensiv auseinander gesetzte habe, stelle ich unglaublich viele Gemeinsamkeiten mit Betroffenen fest.

Deshalb, und weil ich es leid bin, mich hinter einer Ausrede zu verstecken, rede ich offen über meine depressiven Gedanken.

Das größte Problem in unserer Gesellschaft ist der Umgang mit Depressionen.

Niemand, der nicht Psychologie studiert hat, versteht, was eine Depression bedeutet und was in depressiven Menschen vorgeht.

Depressionen sind eine ernstzunehmende Krankheit. Das ist ein Wissen, was die meisten nicht haben. Leider ist es ein Tabu-Thema.

Aufgrund meiner depressiven Verstimmungen habe ich kaum echte Freunde, mit denen ich ehrlich darüber reden kann, wie ich mich fühle. Meine spärlichen Bekanntschaften aus der Uni würde das nicht interessieren. Sie würden es als Gerede abtun und mich nicht ernst nehmen.

Nicht einmal mein Vater hat mich ernst genommen. Auch nicht, als ich mit der Diagnose meines Psychologen zuhause ankam. Er sagte, dass ich mich nicht so anstellen soll. Davon lasse ich mich heute nicht mehr abschrecken und stehe dazu, dass ich diagnostiziert depressiv bin.

In meinem Studium schränkt mich die Depression auch ein: Einfache Hausarbeiten gestalten sich oft als Kraftakt. Ich kann nicht allzu häufig den Vorlesungen fernbleiben, da ich sonst zu viel Stoff verpasse und zu viel nachholen muss. Eine richtige Lerngruppe habe ich nicht. Ich traue mich noch nicht, andre Studenten danach zu fragen.

Was mich richtig fertig macht, sind die Gefühle von Trauer und Wut. Ich bin oft wütend auf mich selbst, weil in meinem Leben nichts so läuft, wie ich es mir gewünscht hätte.

Ich will nun lernen mit mir und der Depression umzugehen. Ich will endlich verstehen und verstanden werden. Und vor allem anderen ein normales Leben trotz Depression.

Es geht bergauf…

 

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