Hypnose bei Depressionen? So half mir Hypnose meine Depression zu überwinden

Es gibt nicht viele Dinge, die schlimmer sind als sich selbst nicht richtig fühlen zu können. Die überwiegende Mehrheit der Menschen werden diese, von psychischen Leiden verursachten Probleme in ihrem ganzen Leben nie wirklich kennenlernen. Doch 20 Prozent (ja wirklich, so viele) der deutschen Bevölkerung leidet nach neuesten Statistiken an psychischen Erkrankungen. Und ich mußte mir in den vergangenen Jahren bewusst machen: ich gehöre dazu.

Es gab drei entscheidende Momente in meinem Leben, in denen ich mit der vollen Wucht einer Depression konfrontiert wurde: das erste Mal, als sich meine Eltern scheiden ließen. Ich war 13 und mit meiner Irritation darüber völlig allein. Ich entwickelte eine frühe Zwangsstörung aus derem Kreislauf ich damals mithilfe eines Therapeuten ausbrechen konnte.
Meine zweite Begegnung mit meiner dunklen Seite hatte ich während des Studiums. Ich studiere Biologie und der Prüfungsdruck ließ mich in einem Strudel aus Schlaflosigkeit, Angstzuständen und permanenter innerer Unruhe versinken. Es fühlte sich an, als hätte sich die fröhliche, ausgeglichene und schlafliebende Person, die ich vorher war für immer verabschiedet. Auch diesmal half mir eine Therapie aus dem unendlich tief erscheinenden Loch zu klettern. Ich begann, wenn auch zunächst widerwillig Antidepressiva zu nehmen und hatte die nie ganz verschwindenden Symptome für etwa sieben Jahre ganz gut im Griff.Doch im vergangenen Jahr schlug das Schicksal erneut zu. Das Startup-Unternehmen, in dem ich angefangen hatte, musste Insolvenz anmelden. Zum selben Zeitpunkt starb eine mir sehr lieber Onkel viel zu früh und der finanzielle Druck plus der schwer zu ertragende Herzschmerz brachten meine Depressionen mit voller Wucht zurück. Ich begann die Dinge am meisten zu fürchten, die mir vorher die größte Freude bereitet hatten. Freunde treffen, sich hübsch machen und ausgehen, Konzerte besuchen, schreiben und lesen – alles fühlte sich plötzlich nur noch quälend an.

Doch wenn einen die größte Verzweiflung befällt, ist man bereit auch alles zu versuchen und in Betracht zu ziehen, was einen aus dem Schlamassel befreit. Und für mich hieß dieser Schritt ins Ungewisse: Hypnose.

Ich hatte bereits davon gehört und wußte, dass für viele Menschen mit Zwangsstörungen, Angststörungen und Depressionen eine Therapie oder die Verabreichung von Medikamenten einfach nicht ausreichen. Und in vielen Blogs mit diesem Thema las ich von der Befreiung von den schwersten Symptomen durch Hypnose. Dabei muss ich hier vielleicht mit ein paar allgemeinen Vorurteilen aufräumen. Für viele Menschen ist das Thema Hypnose mit einer Menge Vorurteilen verbunden. Doch bei einer Hypnosetherapie gibt es keine Taschenuhr an einer Kette, die über dem Gesicht hin und her wippt, damit eine Person schläfrig wird. Es passiert auch nicht von dem, was man auf Nachtclub- oder Fernsehbühnen sieht, wo ein Hypnotiseur überraschte Teilnehmer so manipulieren kann, dass sie wie ein Huhn gackern oder ähnliches. Das ist Unterhaltung. Bei einer Hypnotherapie geht es vielmehr um folgendes: Angst oder Depressionen sind in oft in Wirklichkeit eine negative Selbsthypnose. Durch die Hypnose eines erfahrenen Therapeuten wird man selbst in einen Trance-ähnlichen Zustand versetzt und kann den Geist umprogrammieren, damit er seinen Fokus auf andere, positivere Dinge richten kann.

depressionen hypnose Erfahrungen

Doch das Stigma von Hokuspokus Hippie-Unsinn erzeugen nach wie vor große Skepsis auch bei den Menschen, die mit ernsthaften psychischen Problemen kämpfen und für die Hypnose eine echte Option zu klassischer Therapie oder Medikation darstellen könnte.

Alles ging los mit einer Gesprächstherapie, die mich auch auf die eigentlichen Hypnosesitzungen vorbereiten sollte. Meine Hypnotiseur las dabei aus einem sorgfältig zusammengestellten Skript, welches jede Woche weiter auf meine spezifischen Problematiken angepasst wurde. Die Sitzungen dauerten zwischen 15 und 30 Minuten, und für ungefähr acht Monate war es meine Hausaufgabe die entsprechende Tonbandaufnahme zu hören, bevor ich ins Bett ging.

Dabei muss ich sagen, dass die Aufnahmen nicht immer wirklich sinnvoll erscheinen. Aber in den Texten sind – sagen wir – „Befehle“ eingebettet, die sich im Unterbewusstsein festsetzen. Diese „Befehle“ sollen helfen sich selbst in einen entspannteren Zustand zu versetzen. Dabei muss man wissen, dass einem Menschen am Tag etwa 50.000 Gedanken durch den Kopf gehen. Und die überwiegend meisten von ihnen ,muss man als negativ bezeichnen. Je mehr „Negativität“ ein Mensch in sich trägt, desto länger kann es dauern, bis die Hypnose ihre Wirkung entfaltet. Und das hängt leider nicht vom Willen ab. Denn das Ergebnis soll größere Entspannung, eine positivere Einstellung und besseres Kontrollgefühl über den mentalen Zustand sein.

Im Laufe der Hypnotherapie wurden mir ein paar entscheidende Dinge klar. Depressionen haben oftmals biographische Ursache. Und wenn diese Ursache gefunden, gelöst und transformiert wird, verschwindet auch das typische Gefühl der Ausweglosigkeit. Hypnose, so fand ich in meinen Nachforschungen heraus, nutzt die Fähigkeit des Gehirns, neue Nervenbahnen zu schaffen und sich so mit neuen Erfahrungen zu verbinden, die erst im hypnotischen Zustand lebhaft vorstellbar sind.

Auch mich brachten die Aufnahmen in eine Trance, in der ich – innerlich ruhig – dieselben Gefühle empfand, die meine Depressionen ausgelöst hatten. Doch es fühlte sich nicht mehr so an, als würde ich sie selbst nochmal erleben müssen, sondern eher so, dass ich mir zwar bewusst war, was passierte, ich es aber eher als Beobachter nochmal erfahren konnte.

Zwar ließ ein spürbarer Effekt bei mir einige Wochen auf sich warten, weil ich aber diszipliniert am Ball blieb, verbesserte sich mein mentaler Zustand etwa nach sechs Wochen Schritt für Schritt zu einem Ergebnis, das ich vor Beginn der Hypnotherapie nicht für möglich gehalten hätte. Nach etwa einem Jahr waren die wöchentlichen Sitzungen bei meinem Hypnotherapeuten vorbei und ich kann jetzt, ein Jahr später sagen, dass ich viel glücklicher auf mein Leben schaue und mich innerlich außergewöhnlich friedlich fühle. Ich war noch vor nicht allzu langer Zeit komplett verzweifelt und ich weiß nicht was passiert wäre, wenn ich diesen so entscheidenden Schritt in eine Hypnotherapie nicht gegangen wäre.

Für alle, die dieses Experiment ebenso wagen möchten, aber noch zögern, habe ich noch ein paar wichtige Ratschläge zusammengestellt:

  • Der erste Schlüssel ist sicherlich den richtigen Hypnotiseur zu finden, dem man sein Vertrauen schenken möchte. Es lohnt sich darüber intensiv im Internet zu recherchieren. Dabei sollte man nach Ausbildung, Zertifizierung und und den Einschätzungen früherer Klienten schauen. Wem das zu unwägbar ist, der sollte sich seinem Therapeuten anvertrauen und ihn nach einer entsprechenden Empfehlung fragen.
  • Die Konzentration während des ganzen Prozesses sollte auf der eigenen Motivation liegen. Was genau möchte ich loswerden und was soll sich verbessern. Auch eine Hypnotherapie braucht Zeit ihre Wirkung zu entfalten. Und die mühsamen ersten Phasen durchsteht man nur mit einer entsprechenden Disziplin.
  • Hypnose ist eine Partnerschaft, in der man mit dem Hypnotiseur im Heilungsprozess zusammenarbeitet. Egal, ob man dem Hypnotiseur zuhört, ein Skript liest oder Tonbandaufnahmen hört. Es gehören immer zwei dazu, wenn eine Hypnose funktionieren soll.
  • Der gesamte Prozess der Hypnose ist auch eine Art innerer Arbeit, während der man fokussiert bleiben muss und nicht abschalten darf. Und das gilt auch, obwohl die Befehle und Nachrichten, die dein Hypnotiseur in dein Skript einbettet, scheinbar unbewusst ins Unterbewusstsein dringen
  • Während einer Hypnosesitzung verliert man nie die Kontrolle. Der Hypnotiseur ist nur da, um den Weg in die selbstgewählte Trance zu erleichtern.
  • Falls du dich nicht willensstark genug fühlst, wird dir der Hynotiseur auch hier helfen.

 

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4 Gedanken zu „Hypnose bei Depressionen? So half mir Hypnose meine Depression zu überwinden

  1. Vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrungen mit der Hypnosetherapie. Hast du eine Idee, wie ich im Raum Dresden an einen Therapieplatz kommen kann? Ich würde die Hynpose auch aus eigener Tasche bezahlen.

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